Mein Praktikum in einer Medien-Übersetzungsagentur


 

Mein Studium geht langsam aufs Ende zu und es stand noch ein großer (aber guter) Brocken an: das Praktikum!

Nach kurzer Suche konnte ich mich über einen Praktikumsplatz in einer internationalen Übersetzungsfirma, die sich auf Media Translation (Untertitel, Synchronisation, Voice-Over) spezialisiert hat, freuen. Dabei war die Uni auch eine große Hilfe, die viele Kontakte zu Firmen in Europa hat.

 

Wie immer geht die Zeit super schnell rum und mir bleiben gerade schon wieder nur noch zwei Tage in diesem Praktikum. Letzte Woche war ich deshalb schon dabei meinen Praktikumsbericht zu schreiben, um festzuhalten, was ich in diesem Praktikum gelernt habe und um meine Erfahrungen zu reflektieren.

Und da dachte ich mir... wahrscheinlich interessiert dich das auch! Denn ich habe viele neue coole Einblicke erhalten, die mich weitergebracht haben. Andererseits war ich von einigen Dingen auch enttäuscht, die ich euch natürlich auch berichten werde.


Als ich damals noch in der Schule oder auch im Studium war, hab ich oft nach Einblicken in die Übersetzer bzw. Sprachenwelt gesucht, um mir ein besseres Bild machen zu können. Hier teile ich jetzt also alle meine neuen Erkenntnisse mit dir, damit du eine Idee bekommst wie der Berufsalltag in diesen Berufsfeldern aussieht :-)

 

Was ist eine Übersetzungsagentur für medien?

Die Übersetzungsagentur hat sich auf audiovisuelle Übersetzung spezialisiert, dass heisst sie machen Untertitel, Voice-Over und Synchronisationen für jegliche Art von Produkten: Filme, Serien, Dokumentatione usw.

 

Die meisten Projekte sind vom Englischen ins Spanische/ Katalanische, da die meisten Filme und Serien einfach aus englischsprachigen Ländern kommen. Weniger Projekte gab es mit der Ausgangssprache Deutsch, Französisch und Portugiesisch.

 

Das Übersetzungsbüro hat neben den Büroräumen auch 7 Studios, in denen die Synchronschauspieler gemeinsam mit dem Synchronregisseur und dem Techniker den übersetzten Text aufnehmen.

 


Wie läuft eine audiovisuelle Übersetzung ab?

 

Erstmal bekommt die Firma von einem Kunden den Auftrag zu einem Projekt, sagen wir als Beispiel eine amerikanische Serien (Englisch), die ins Spanische übersetzt werden soll.

 

Die Firma sieht sich das Projekt an, beauftragt einen Synchronregisseur, welcher dann passende Stimmen für die Charaktere der Serie aussucht & diese Synchronschauspieler anfragt.

Bei Filmen kann es auch sein, dass der Kunde erstmal eine Probeaufnahme einiger Stimmen anhören möchte, um selbst zu entscheiden welche Stimme am besten zu dem Original passt.

 

Gleichzeitig wird das Skript an einen freiberuflichen Übersetzer geschickt, der die Dialoge übersetzt. Sobald diesert Übersetzer seine Arbeit zurück an die Firma geschickt hat, wird die Übersetzung intern Korrektur gelesen und mit dem Originalvideo verglichen. Das war in diesem Fall meine Aufgabe:

 

Ich sehe als das Originalvideo auf Englisch und vergleiche es mit der spanischen Übersetzung, um zu sehen ob Stellen vergessen wurden oder ob etwas nicht korrekt übersetzt wurde. Diese markiere ich dann und mache Alternativvorschläge.

 

Die korrigierte Version geht an den Synchronregisseur, der die Dialogliste anpasst. Anpassen heisst, dass er Kürzel einfügt, die dem Sprecher anzeigen, ob sich der Charakter im Video im Bild befindet, aus dem OFF spricht oder sein Mund deutlich zu sehen ist. Dementsprechend ist es mehr oder weniger wichtig die Wörter genau an die Mundbewegungen anzupassen.

 

Eine weitere Person der Firma teilt das Skript in Takes ein, die als Arbeitseinheiten für alle Beteiligten gelten. So werden die Synchronschauspieler bspw. nach Takes bezahlt, die sie sprechen.

 

Nachdem alle Stimmen aufgenommen (fast immer einzeln) werden sie auf der neuen Audiospur gemischt und nochmal kontrolliert.

Einmal sprachlich: Wurde alles korrekt ausgesprochen und zwar genau so wie es im Skript steht? Oder müssen Anpassungen gemacht werden oder der Schauspieler nochmal ins Studio kommen? Und einmal technisch: Hört man Zwischengeräusche? Sind Stellen leiser als andere? Usw.

 

Das ganze durchläuft also einige Schritte, mehr als ich vorher gedacht hätte.

 

 

Was durfte ich als praktikant machen?

Meine Hauptaufgabe war es die Skripte (Dialoglisten) und die aufgenommenen Audiodateien der Projekte zu kontrollieren.

 

Wie oben erwähnt heisst das, das Originalvideo auf Englisch mit der spanischen Übersetzung zu vergleichen oder die fertige spanische Audioaufnahme mit der spanischen Übersetzung zu vergleichen und zu gucken, ob alles korrekt aufgenommen wurde.

 

Manchmal konnte ich kleine Teile übersetzen für die Probeaufnahmen der Schauspieler und ein paar Mal konnte ich ins Studio gehen, um zu sehen wie die Schauspieler ihrenText aufnehmen. Das war für mich das erste mal in einem Tonstudio und super interessant!

 

 

 

Was ist das wichtigste in einem Praktikum?

Fragen, fragen, fragen... nur so lernt man schliesslich etwas!

 

Trotzdem ist das kein Zaubermittel, denn ich kann sagen, dass ich unzählige Male um Feedback für meine Arbeit gebeten habe, um andere Aufgaben, weil ich einfach zu tun hatte und es kam nichts von der Firma und den Verantwortlichen zurück. Es hätte viel mehr aus dem Praktikum gemacht werden können, aber leider hat sich die Firma da sehr uninteressiert gezeigt.

 

Also, mein bester Tipp: Sich reinhängen, fragen, mit vielen Personen reden, um deren Insiderwissen zu nutzen und zu sehen wie der Berufsalltag wirklich ist.

Es gibt immer einige, die dir gerne weiterhelfen und ihre Informationen teilen, wenn auch nicht alle.

 

Ich ergriff z.B. die Möglichkeit mit dem Synchronregisseur und den Schauspielern zu sprechen und fand es super interessant. Mehr dazu weiter unten.

 

 

Was habe ich in dem Übersetzungspraktikum gelernt?

Was weiss ich jetzt, was ich vorher nicht wusste??

Oder: Hat das Praktikum überhaupt irgendetwas gebracht?

 

JA! Auf jeden Fall. Es hat nicht so viel gebracht, wie ich es mir erhofft hatte, aber ich denke immer, dass man aus allen Situationen etwas lernen kann!

 

Ich habe herausgefunden, dass sogar die Synchronregisseure freiberuflich arbeiten (genauso wie die Schauspieler und natürlich die allermeisten Übersetzer).

 

Da ich ganz alleine in einem dunklen Büro sass, auf einer anderen Etage noch dazu, konnte ich ein Gefühl dafür bekommen wie es ist selbstständig und ohne Kollegen vor Ort zu arbeiten. Ich persönlich arbeite auch gerne mit Mitmenschen und mag das soziale Miteinander in Grossraumbüros... aber andererseits gibt dir das selbstständige Arbeiten einfach viele Freiheiten, die auch nicht zu verachten sind. Für mich bleibt es deshalb auf jeden Fall eine Option, obwohl es eigentlich etwas war, was ich nach der Schule nie in Erwägung gezogen habe... wegen der unsicheren monatlichen Auftragslage, Geld usw., aber ich denke man wächst mit seinen Aufgaben und jetzt ist es auf jeden Fall etwas, das ich wenigstens versucht haben möchte und das ich mir auch zutraue.

 

Ich schreibe euch bald nochmal einen Artikel über die Vor- & Nachteile des selbstständigen Arbeitens.

 

 

Wie geht es Jetzt weiter?

Das Praktikum ist vorbei, es war allerdings auch nur 5 Wochen, daher habe ich mich schon während der Praktikumssuche entschieden ein weiteres Praktikum zu machen. In einer grösseren Firma, die mir schon jetzt organisierter scheint. Ich musste einige Einstellungstests machen und werde 5 Monate dort im Projektmanagement der Abteilung für audiovisuelle Übersetzung tätig sein.

 

Wenn es euch interessiert, wie es mir in dem nächsten Praktikum ergeht, schreibt's mir gern in die Kommentare & ich verfasse einen ähnlichen Bericht sobald ich einige Zeit dort war!

 

 



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Hast du selbst bereits ein Praktikum im Bereich Sprachen gemacht? Oder willst du wissen wie es in meinem zweiten Praktikum weitergeht? Schreib' deinen Kommentar!

 

Ich freue mich auf eure hilfreichen Kommentare

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Kommentare: 2
  • #1

    Laura Timm (Montag, 03 Juli 2017 19:18)

    Hallo Verena,

    Vielen vielen Dank für deinen kleinen Praktikumsbericht hier, hat mir wirklich sehr weitergeholfen. Ich bin 22 Jahre alt und studiere momentan in Gießen, Deutschland Moderne Fremdsprachen, Kulturen und Wirtschaft mit dem Hauptfach Spanisch (meine große Leidenschaft) und Nebenfach Englisch und BWL und jetzt auch noch Schwedisch. Man sieht also schon, ich liebe Sprachen und zwar so ungefähr jede ! :D
    Das Problem ist nur, dass um mich herum jetzt viele das Studium abbrechen mit der Begründung, das Studium biete nicht genügend sichere Berufschancen. Ich glaube allerdings, dass das eigentliche Problem ist, dass man gar nicht genau weiß, was man alles mit Sprachen machen kann. Die erste Assoziation ist immer Übersetzerin in einem Büro oder Dolmetscherin. Dabei gibt es noch viel mehr 'Nischen', die man aber, glaube ich, auch erst findet, wenn man im Ausland oder wo auch immer danach sucht. Ich wollte dir auf jeden Fall sehr dafür danken, dass du mir meine Zweifel wieder genommen hast :D Jetzt kann ich in Ruhe für die Prüfungen lernen.
    LG Laura

  • #2

    Verena (Donnerstag, 20 Juli 2017 12:09)

    Danke Laura, das freut mich echt!
    Du hast recht, es gibt so viele Möglichkeiten, die man während des Studiums noch gar nicht kennt, sondern erst später sieht. Und jeder verändert sich ja auch im Laufe der Jahre und dann finden wir uns manchmal in einem Beruf wieder, den wir uns vorher nie hätten vorstellen können. Für mich war vor einigen Jahren Übersetzer und auch Selbstständigkeit überhaupt keine Option, die ich für mich gesehen hatte ;)
    Viel Glück bei den Prüfungen!